Vorsorge - Senioren - die Vergessenen


Die vergessene Gesellschaft: Senioren und ältere Menschen im Abseits der Politik und Versorgung

Land der Greise so die bezeichnende Überschrift in der Süddeutschen Zeitung am 10. Januar. Andreas Hoffmann beschreibt hier treffend ein Pulverfaß, auf dem wir sitzen und es noch gar nicht gemerkt haben. Denn in knapp vier Jahrzehnten wird ein Drittel aller Deutschen älter als 60 Jahre sein. Nicht nur für die Rentenkassen ist das eine tickende Zeit-bombe, sondern für viele Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und anderswo.

In 40 Jahren? Mein Gott, warum dann heute schon aufregen? Noch sind die Renten pünktlich auf dem Konto, und wenn man Norbert Blüm noch im Ohr hat, dann sind diese Zahlungen auch sicher. Von wegen! Längst schwindet das Vertrauen der Bürger in die staatliche Rente. Aber statt selbst vorzusorgen, verlassen sich mehr als ein Drittel der Deutschen auf die helfende Hand der Kassen, wenn es so weit ist. Viele sprechen sogar von 50 Prozent der Haushalte, in denen keine Anstalten ge-macht werden, das Alter finanziell abzusichern.

Bernd Katzenstein, der Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, führt diese Lethargie auch auf die oft falschen oder schwer zu verstehenden Produkte der Versicherer zurück, die mit komplizierten Rechenmodellen und Vor-hersagen den Kunden eher erschrecken als ihn zu versorgen. Dabei so Katzenstein wäre es recht einfach, wenn man allein den Zinseszins-Effekt berücksichtigt. Wenn ich 20 Jahre lang monatlich 100 Euro spare, komme ich bei 5 Prozent Wertent-wicklung jährlich am Ende auf 41.176 Euro. Bei 30 Jahren sind es schon 83.253 Euro, die als zusätzliche Altersabsicherung zur Verfügung stünden.

Je älter die Menschen werden, desto mehr Geld muß für die Zeit nach dem aktiven Berufsleben zur Verfügung stehen. So einfach ist die Rechnung. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die durchschnittliche Lebensdauer in Deutschland um rund 30 Jahre erhöht. Heute werden Männer im Durchschnitt 75,4, Frauen 81,2 Jahre alt. Und wenn jetzt noch der Eintritt in das Seniorenalter immer früher erfolgt (wer arbeitet denn schon noch bis 65?), wenn die Geburtenraten weiter rückläufig bleiben und gleichzeitig die Lebenskosten steigen, haben wir eine Zeitbombe, deren Wirkung verheerend sein wird.

2004 gab es für die Rentner eine Nullrunde. 2005 werden die Renten ebenfalls nicht steigen und im Jahr darauf wenn überhaupt nur sehr gering. 78 Milliarden Euro überweist Hans Eichel 2005 an die Rentenkassen, mehr will und kann er nicht zahlen, ohne die Beiträge zu erhöhen, was wieder-um eine Steigerung der Lohnnebenkosten bedeuten würde und damit auch ein weiteres Anwachsen der Arbeitslosigkeit. Und daß in einem Wahljahr solche Rechnungen gar nicht gerne angestellt werden, ist auch klar.

Der Weg aus der Krise?

Wir sind heute schon so weit, daß ein Mann durchschnittlich 35 Jahre Beiträge einzahlen muß, um eine Rente auf dem Niveau der Sozialhilfe zu bekommen. Wenn der Bürger nicht selbst aktiv wird, wenn er nicht sofort und im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst vorsorgt, wird es über kurz oder lang zum absoluten Crash der Systeme kommen. Private Vorsorge in der Kombination mit einer längeren Arbeitszeit sind genau so notwendig wie ein radikales Umdenken in der Familien- und Bildungspolitik. Studenten, die noch mit 30 Jahren dem Steuerzahler auf der Tasche liegen, sind nicht mehr tragbar. Lehrzeiten müssen verkürzt werden, Frauen dürfen nicht mehr zwischen Beruf und Kind entscheiden müssen.

Die Methusalem-Republik: Sie kommt nicht, sie ist längst Realität. Und wenn man heute weiß, daß vom Jahrgang 1940 nur jede zehnte Frau kinderlos blieb und vom Jahrgang 1965 schon jede dritte, dann kann man die Augen vor der weiteren Entwicklung kaum verschließen. Und auch die Versicherer, die Finanzplaner und Experten in der Politik, sofern es diese gibt, müssen endlich aufwachen und dem Bürger ein Konzept auf den Tisch legen, das ihm eine private Altersvorsorge möglich und für ihn finanzierbar macht. Mit einfachen Rechnungen, mit klaren Aussagen und damit auch mit einer höchstmöglichen Sicherheit.

Emil Hofmann, Burgkirchen

11. Januar 2005